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Die 4. Säule

Nebst den Finanzen sind auch ein stabiles soziales Netz, Stressabbau und Resilienz wichtig für einen guten Übertritt in den Ruhestand.


Beim Thema Altersvorsorge stehen meistens finanzielle Aspekte im Vordergrund. Eine hohe Pension ist für den Ruhestand aber nur die halbe Miete. Was nützt das ganze Geld, wenn man nicht gesund altert  – oder wenn man niemanden hat, mit dem man den Ruhestand geniessen kann? Die Pflege der körperlichen und mentalen Gesundheit sowie der sozialen Kontakte gehört folglich ebenfalls zur Vorsorge. Man könnte in diesem Zusammenhang von einer «vierten Säule der Altersvorsorge» sprechen – quasi als Zusatz zum Drei-Säulen-System aus AHV, Pensionskasse und privater finanzieller Vorsorge. Wie kann man sich eine solche stabile «vierte Säule» für den Ruhestand aufbauen? Dabei sind diese Punkte besonders wichtig.


Stressniveau im Auge behalten: Laut der Schweizerischen Gesundheitsbefragung beschweren sich Schweizer Erwerbstätige immer stärker über wachsenden Stress bei der Arbeit. 21% der Befragten gaben im Jahr 2017 an, am Arbeitsplatz sehr oft von Stress geplagt zu sein. Fünf Jahre zuvor waren es 18% gewesen. «Stress ist nicht per se etwas Schlechtes», sagt Erich Seifritz, Professor und Chefarzt an der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich. Es gebe guten und schlechten Stress. Ersterer sei kurzfristig und unproblematisch. Er entstehe beispielsweise, wenn ein Schauspieler vor einem Auftritt Lampenfieber habe. Schlechter Stress hingegen sei eher langfristig, oft sogar chronisch und habe negative Effekte. So hätten wissenschaftliche Studien Zusammenhänge bei Personen zwischen schlechter Schlafqualität und einer späteren Demenzerkrankung nachgewiesen. Auch ist davon auszugehen, dass Depressionen bei Menschen im mittleren Alter das Risiko, später an Demenz zu erkranken, erhöhen. «Zur Altersvorsorge gehört es also auch, den Level an schädlichem Stress während der Erwerbstätigkeit möglichst tief zu halten», sagt Seifritz.


Resilienz aufbauen und verbessern: In der Folge stellt sich die Frage, wie dies gelingt. Im Prinzip geht es darum, wie Menschen ihre Widerstandsfähigkeit bei schlechtem Stress erhöhen können – wie sie ihre sogenannte Resilienz steigern können. Laut Seifritz ist die Resilienz eines Menschen zum Teil genetisch vorgegeben, man kann diese aber auch positiv beeinflussen. Als Faktoren für eine gute Resilienz gelten eine gesunde Ernährung, körperliche Fitness durch Sport, ein guter und erholsamer Schlaf und besonders auch soziales Eingebettetsein. «Spiritualität kann ein wichtiger Faktor für Resilienz sein», sagt Seifritz. Spirituelle Menschen sähen sich als Teil in einem grösseren Ganzen. «Wenn ein Mensch glaubt, dass das Leben nach dem Tod weitergeht, verändert sich seine Sicht auf das eigene Dasein massiv.» Solche Menschen ruhten im Allgemeinen mehr in sich selbst und hätten ein Gefühl, eingebettet zu sein. Man nenne dies auch «sense of coherence» oder Kohärenzgefühl. Wichtig für die Gesundheit ist es auch im Alter, eine gewisse Autonomie und genügend Freiheitsgrade zu haben. Auch finanzielle Aspekte tragen natürlich hierzu bei. Unbehandelte psychische Krankheiten vermindern die Resilienz, als eigentliche «Resilienz-Killer» gelten Tabak, Alkohol und andere Suchtmittel.


Soziale Kontakte pflegen: Wichtig für die Altersvorsorge in der vierten Säule ist die Pflege von sozialen Kontakten. «Der Mensch ist ein soziales Wesen, das merkt man in der derzeitigen Corona-Krise besonders», sagt Susanna Fassbind, Initiantin der Fondation Kiss, die sich die Förderung der vierten Altersvorsorgesäule und die Stärkung des Generationenzusammenhalts auf die Fahnen geschrieben hat. Aufgrund der Pandemie hätten viele ältere Menschen derzeit Angst, sich zu treffen, und wagten kaum mehr zusammenzusitzen. Berichte über eine mögliche zweite Welle schürten Angst. Vertreter des Bundesrats hätten oft von einer «neuen Normalität» gesprochen. Wenn diese bedeute, dass die Gesellschaft still und steril gehalten werde, verschlimmere dies nur Ängste. «Einsamkeit kann tödlich sein», sagt Fassbind. Ein gutes soziales Beziehungsnetz gilt im Alter als besonders wichtig. Schliesslich gehen mit der Pensionierung im Allgemeinen auch Beziehungen verloren, etwa am Arbeitsplatz, wo man automatisch täglich mit Kolleginnen und Kollegen in Kontakt war. Es gilt also auch hier, sich frühzeitig zu überlegen, mit wem man nach der Pensionierung in Kontakt bleiben will und kann. Wenn ein guter Kollege weiterarbeitet und man selbst pensioniert wird, kann dies beispielsweise eine Herausforderung sein, da sich der Lebensinhalt verändert. Nach der Pensionierung fielen vor allem Männer oftmals in ein Loch, weil sie während ihrer Erwerbstätigkeit zu wenige soziale Kontakte geknüpft hätten, sagt Fassbind. Auch Seifritz rät, sich Zeit für die Partnerin oder den Partner sowie die Familie zu nehmen und Freundschaften zu pflegen. Ein klassisches Zitat zum Thema laute schliesslich: «Wer in der Jugend nicht lernt zu jassen, hat für das Alter nicht vorgesorgt.»


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